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Amblyopie

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Klassifikation nach ICD-10
H53.0 Amblyopia ex anopsia
ICD-10 online (WHO-Version 2006)

Als Amblyopie oder Schwachsichtigkeit wird eine permanente Sehschwäche eines Auges oder seltener beider Augen bezeichnet, die auf einer Fehlentwicklung des Sehsystems während der Kindheit beruht. Bei der augenärztlichen Untersuchung findet sich eine Sehschärfenminderung, die nicht ausreichend durch erkennbare organische Fehler des Auges erklärt ist und trotz optimaler optischer Korrektur fortbesteht.

Inhaltsverzeichnis

  • 1 Symptome und Beschwerden
  • 2 Ursachen
  • 3 Diagnose und Differentialdiagnose
  • 4 Folgen und Komplikationen
  • 5 Behandlung
  • 6 Hinweise für Eltern
    • 6.1 Auf welche Zeichen sollten Eltern bei ihrem Baby achten?
    • 6.2 Was sollten Eltern als gründliche Vorsorge tun?
  • 7 Weblinks

Symptome und Beschwerden

Der schwachsichtige Patient sieht seine Umgebung mit dem amblyopen Auge nur undeutlich oder verschwommen.

Ursachen

Eine Amblyopie entsteht während der Kindheit durch falschen Gebrauch der Augen, z. B. bei Schielen eines Auges. Beim „schielenden Auge“, welches in der Regel nicht führend ist, werden die Hirnbahnen nicht richtig ausgebildet (Ambliopica ex anopsia), das heißt: Schwachsichtigkeit durch Nichtgebrauch. Dies entsteht ebenso durch Behinderung des Sehens bei Brechungsfehlern oder auch Trübungen im optischen System (Hornhaut oder Linse). Die Amblyopie entwickelt sich umso schneller, je früher die auslösende Störung auftritt, also besonders schnell während des ersten Lebensjahres, insbesondere der ersten 2 bis 3 Monate.

Diagnose und Differentialdiagnose

Eine Amblyopie kann unter anderem durch unbehandelte Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Stabsichtigkeit und Schielen im frühen Kindesalter verursacht werden. Diese bestehen häufig im Erwachsenenalter fort. Trotz Korrektur dieser Störungen wird bei einer Amblyopie aber keine normale Sehschärfe erreicht.

Die Amblyopie ist abzugrenzen von Sehschwächen anderer Ursache, die gleichfalls ohne erkennbare organische Fehler des Auges auftreten können. Dazu zählen z.B. psychogene Störungen wie die dissoziativen Empfindungsstörungen, die Nachtblindheit und selbst die Neuritis nervi optici.

Folgen und Komplikationen

Die Schwachsichtigkeit nur eines Auges wird teilweise gar nicht wahrgenommen bzw. stört nur wenig. Eine Schwachsichtigkeit beider Augen jedoch kann den Alltag, Berufschancen und Sozialkontakte ganz erheblich behindern, ist jedoch im Sinne einer Amblyopie auch eher selten. Auch eine starke Amblyopie schreitet aber im Erwachsenenalter nicht fort.

Eine unbehandeldte Amblyopie jedoch, z. B. als Ergebnis eines nicht diagnostizierten Mikrostrabismus, kann eine Sehschärfe von unter 2 Prozent auf dem betroffenen Auge zur Folge haben, was mit einer einseitigen Blindheit gleichgesetzt werden muss. Zudem muss man hier ergänzend die Diagnose „oculus ultimus“ erheben. Diese Situation stellt im täglichen Leben ein nicht unerhebliches Risiko dar und hat fatale Auswirkungen, sollte dem gesunden Auge durch Unfall oder Krankheit etwas zustossen.

Behandlung

Sehschwächen, die während des ersten Lebensjahres entstehen und nicht sofort entdeckt und behandelt werden, sind später meist nicht heilbar (irreversibel). Daher empfiehlt sich eine routinemäßige Vorsorge-Untersuchung bei einem auf diesem Gebiet erfahrenen Augenarzt bereits während der ersten drei Wochen nach der Geburt, um schwere Behinderungen (Trübungen, hohe Brechungsfehler, seltene Tumoren, Blutschwämme der Lider) ausschließen zu können.

Die Amblyopien entstehen bei zunächst normalem Nervensystem/Gehirn. Sekundär kommt es jedoch bei anhaltender Sehschwäche zu organischen Veränderungen im seitlichen Kniehöcker (Corpus geniculatum laterale) des Hirns und zu ebenso nachweisbaren Veränderungen der Hirnrinde, wahrscheinlich auch der Netzhaut und des Sehnerven. Bei Babys bilden sich diese Zellveränderungen und krankhaften Erregungsverarbeitungen sehr schnell innerhalb von wenigen Wochen bis Monaten (altersabhängig), daher die nötige Eile.

Zur Behandlung von Amblyopien eignen sich verschiedene Methoden, z. B. Okklusions- oder Pflasterbehandlung, Penalisation (spezielle Behandlung unter Einsatz von bestimmten Augentropfen und Brillengläsern) oder in manchen Fällen pleoptische Übungsbehandlungen. Wann, wie und wie lange diese Behandlungen dauern ist abhängig von vielen verschiedenen Faktoren und genauen Untersuchungen. Eine erfolgversprechende Therapie dauert jedoch nicht selten bis zum 13. oder 14. Lebensjahr und sollte zur Vermeidung von möglichen Rezidiven nicht zu früh beendet werden.

Hinweise für Eltern

Auf welche Zeichen sollten Eltern bei ihrem Baby achten?

Sind die Lider in der Wachphase beidseits gleichweit offen - oder ist die Lidspalte auf einer Seite enger?

Wenn ja, vom Augenarzt untersuchen lassen. Die Ursache dafür ist meist eine Ptosis des Oberlides oder ein Blutschwamm (Hämangiom) des Ober- oder Unterlides. Besonders gefährdend ist eine engere Lidspalte, wenn dadurch ein Teil der Pupille verdeckt wird. Es kommt dabei zu unterschiedlicher Helligkeit des Netzhautbildes und zu geringerem Kontrast desselben. Diese Rechts zu Links Unterschiede können bereits für die Entstehung einer Sehschwäche beim Baby ausreichen. Häufig entsteht auch ein unterschiedlicher Druck der Lider auf das Auge, so dass auf Seite des Hämangioms oder der Ptosis eine ungleichmäßige Hornhautkrümmung (Astigmatismus) entsteht - dieser kann wiederum wegen der Bildunschärfe, die er verursacht, zu einer Sehschwäche führen. Bei Säuglingen ist dabei zu beachten, dass die nasale Augenfalte noch nicht sehr stark ausgeprägt ist, Man hat dabei das Gefühl das Kind schielt, da das Auge z. T. in der Nasalfalte bedeckt ist. Ein Lichttest bringt hier Sicherheit.

Ist die Oberfläche des Auges - die Hornhaut (Cornea) - glatt, klar und spiegelnd?

Selten ist sie rau, spiegelt nicht und erscheint leicht trüb - dahinter können sich verschiedene Krankheiten verbergen, z.B. ein angeborener Grüner Star (Glaukom, hier Hydrophthalmus, kommt etwa 1:10 000 vor). In jedem Fall ist eilige fachärztliche Untersuchung nötig. Kein Herumprobieren mit Tropfen, wenn nach 2-3 Tagen nach der Geburt kein normaler Zustand erreicht ist.

Bei Neugeborenen dürfen die Pupillen rechts zu Links ein wenig unterschiedlich weit sein. Meist ist dies nicht ständig der Fall. Hält eine solche Pupillendifferenz länger als 2-3 Wochen an und ist sie markant, sollte besser ein Facharzt befragt werden. Die Pupillen müssen sich beiderseits auf Beleuchtung - z. B. mit nicht zu starker Taschenlampe - verengen, dies von Anfang an.

Was Sie, die Eltern und auch der Kinderarzt leider nicht entdecken können: Organische Veränderungen wie die meisten Linsentrübungen (angeborene oder frühentstehende Katarakte, kommen häufig vor, nämlich 1 x unter 200-300 Neugeborenen, jedoch müssen nur 2 bis 3 unter 10 000 Neugeborenen deshalb operiert werden), organische Veränderungen am Augenhintergrund, z. B. nach Frühgeburt oder auch den seltenen Netzhauttumor (Retinoblastom, kommt etwa 1 x unter 18000 Neugeborenen vor) des Kindes.. Sehr häufig sind hingegen grobe Brechungsfehler der Augen (Kurzsichtigkeit = Myopie; Übersichtigkeit = Hyperopie; Stabsichtigkeit = Astigmatismus; Anisometropie = unterschiedliche Brechung Rechts zu Links). Hohe Werte sind bei Geburt in rund 10% der Babys vorhanden ( > 5 Dioptrien). Jede dieser Anomalien, die auch kombiniert vorkommen, kann zu einer beidseitigen oder einseitigen Sehschwäche (Amblyopie) führen. Entscheidend ist auch, ob hohe Werte schon während der ersten Monate weg- oder auf geringere Beträge wachsen, falls nicht, besteht erhöhte Gefahr für die Entwicklung von Amblyopie oder auch Schielen. Meist wachsen sie soweit Richtung Emmetropie (Normalbrechung), dass keine Gefahr mehr lauert - wir wissen nur nicht bei wem!

Was sollten Eltern als gründliche Vorsorge tun?

Bei unauffälligem äußeren Befund zahlt die gesetzliche Krankenversicherung die fachärztliche Vorsorgeuntersuchung nicht. Eine frühe Vorsorge ist trotzdem anzuraten. Der Augenarzt/-ärztin prüfen bei weiter Pupille mit harmlosen Tropfen (Tropicamid = Mydriaticum) die Brechkraft der Augen. Ermittelt er/sie hohe Werte, wird zunächst 4 bis 8 Wochen je nach Befund abgewartet, ob eine Verringerung eintritt. Nur bei exzessiven Werten von Übersichtigkeit oder Kurzsichtigkeit oder auch Unterschied Rechts/Links (Anisometropie) werden sofort eine Brille oder Kontaktlinsen verordnet. Außerdem inspiziert der/die Facharzt/-ärztin den Augenhintergrund. Bei erkennbaren Anomalien, Erkrankungen muss die Versicherung die Kosten übernehmen.

Schielt das Kind ständig in die gleiche Richtung, z.B. Einwärtsschielen = Esotropie = Strabismus convergens, sollten Sie nach etwa 1 Woche einen Augenfacharzt konsultieren, es können sich andere Erkrankungen dahinter verbergen. Eine wechselnde, schwankende Augenstellung ist jedoch während der ersten 2 bis 3 Monate erlaubt und Ausdruck der noch unreifen Regelung. Nach 3 Monaten soll die Augenstellung „parallel“ (orthotrop) sein. Die Fachausdrücke für die augenärztlichen Untersuchungen zur Vorsorge im 1. Jahr lauten:

Die Akkommodationslähmung mit harmlosen Tropfen führt gleichzeitig zur Pupillenerweiterung. Diese Untersuchung ist für eine aussagekräftige Vorsorge unverzichtbar, weil bei natürlicher Pupille Neugeborene bereits akkommodieren und zwar ziemlich chaotisch. Eine genaue Messung der evtl. vorhandenen Brechkraftanomalie (Ametropie) ist so unmöglich.

Weblinks

Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Amblyopie“


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